Die Geschichte der Feuerwehr Wildau nach 1945


Infolge nicht mehr nachzuvollziehender Ereignisse bestand nach 1945 die alte Werksfeuerwehr der Schwartzkopffwerke nicht weiter. Das Gebäude der Wehr (Haus 12) ist nach 45 nicht mehr existent. auch sämtliche Fahrzeuge scheinen das Kriegsende nicht überlebt zuhaben. Leider ist über den Verbleib nichts bekannt. Kurz nach dem Ende des Krieges wurde das Gelände des späteren SMB von der Roten Armee besetzt, nach Augenzeugeninformationen wurde das gesamte Areal geteilt. Der nördliche Teil bis Haus 24 war sowjetische Kaserne und damit gesperrt.
 
 
Das heutige Depot war damit nicht für die Feuerwehr nutzbar. Der südliche Teil des Werkes wurde unter deutsche Verwaltung gestellt, eine freiwillige Werksfeuerwehr wurde eingerichtet. Diese kam in der Halle 9 (damals und heute Autoschlosserei) unter. Sie hatte zwei Fahrzeuge, einen DKW F8 als Sanitätswagen (Sankra) und einen Mercedes LF8. Diese Feuerwehrinformation hatte für den Schutz des deutschen Teils des Werkes und für den Ort Wildau Sorge zu tragen. Für den Brandschutz im Nördlichen, durch Zaun abgetrennten, sowjetischen Teil des Werkes war sie nicht zuständig. Eine Sanitätsstelle im Haus 13 (Dr. Grippentrock) war ebenfalls eingerichtet worden. Im Laufe der Zeit häuften sich anscheinend die Einsätze, jedenfalls wurde nach 1950 die Feuerwehr umstrukturiert. Es gab von nun an eine örtliche Freiwillige Feuerwehr und in das Depot Gebäude 39, einem ehemaligen Lockschuppen (identisch mit dem heutigen Depot) zog eine Kommandostelle der VP Königs Wusterhausen ein. Trotz ihres sonderlichen Namens ein Feuerwehrtrupp aus Volkspolizeiangehörigen. Diese war für den Schutz des Werkes verantwortlich, mittlerweile waren auch die russischen Soldaten aus dem besetzten Teil des Werkes abgezogen.

Freiwillige Feuerwehr Wildau

Die Freiwilligen kamen in der Friedrich-Engels-Straße, in der Höhe des heutigem Optiker Bolle in einer Garage unter.  Alle beiden Feuerwehrfahrzeuge die bisher in Wildau im Einsatz waren verblieben bei der für den Schutz des Werkes zuständigen Kommandostelle der VP. Die Wildauer Freiwilligen bekamen einen Tragkraftspritzenanhänger (TSA), dieser wurde per Muskelkraft zum Einsatz gezogen! "Zu Übungen an der LPG hieß es ziehen bis uns die Zunge heraushing!" so der Feuerwehrmann H. Raabe Dieser Zustand hielt bis Anfang 1960 an. Als bei der Freiwilligen Feuerwehr Eichwalde ein neues Fahrzeug angeschafft wurde, kam das Alte um die Verschrottung herum zu den Wildauer Freiwilligen. Es war ein umgebauter Personenwagen der Marke Adler (6 Zylinder, Bj.: 1938), dessen Eigenschaften unvergessen sind! So musste er per Hand durch Kurbeln angelassen werden. Dies und das Knallen der Fehlzündungen gab eine schöne Hektik bei Alarmierungen. Ein Name für das Unikat war schnell gefunden! "Feurige Isabella" hieß das gute Stück bald im ganzen Ort. Ab dieser Stunde war die Zeit der Muskelkraft beim Befördern des TSA entgültig vorbei. Lange Jahre tat die "Isabella" gute Dienste, bis sie von einem ausgemusterten Granit der NVA abgelöst wurde. Dieser wurde rot lackiert und bezog ein provisorisches Depot in der Nähe des Nordeinganges des Werkes. (eine ehem. Garage) Ungefähr 1969 bekamen die Freiwilligen ein ausgesondertes Fahrzeug (S 4000, Bj.: 1959) der Berliner Berufsfeuerwehr. Dieser passte nicht in die Garage und wieder zogen die Freiwilligen um, diesmal in den Durchgang des Konstruktionsbüros der SHR (Schwermaschinenbau H. Raab). Heute ist dort das Gründerzentrum beheimatet. Dies war auch der Höhepunkt der Provisoren. Durch den Gang floss Regenwasser! Im Winter fror das Fahrzeug in dem ungeheizten Raum an! Es gab weder getrennte Umkleideräume, Toiletten noch Duschen für die Feuerwehrkameraden. Auch deshalb fanden sich kaum Wildauer die bereit waren freiwillig Feuerwehr zu sein, dies führte zu Rügen durch den Rat des Kreises da die Sollstärke lange Jahre nicht erreicht werden konnte. Die vorgeschriebene Sollstärke betrug zu dieser Zeit 50 Mann plus 12 Mann Brandschutzgruppe, diese Brandschutzgruppe hatte eine wahrhaft herkulische Aufgabe, sie musste jeden Wildauer Haushalt einmal im Jahr auf Brandsicherheit überprüfen! Dazu kamen noch Keller und Böden, man muss sich klarmachen, das Wildau auch schon damals fast 7000 Einwohner hatte und das es sich um ehrenamtliche Kräfte handelte. Immer wieder wies die Wehrleitung auf die untragbaren Zustände in Ihrem Depot hin, doch lange Jahre blieb das ungehört. Wehrleiter war schon seit 01.07.1960 der Kamerad Horst Raabe, als die Situation sich verbesserte griff er 1984 zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Er machte eine "Eingabe" beim Staatsrat der DDR, allerdings nicht schriftlich! Sondern er fuhr persönlich nach Berlin zum Staatsratsgebäude und versuchte einen Verantwortlichen zu sprechen. Ein älterer Herr nahm sich seines Problems letztendlich an. Als direktes Resultat dieser Aktion wurde Horst Raabe als Wehrleiter abgelöst. Doch 1988 konnte ein neues Gerätehaus hinter dem Wildauer Rathaus eingeweiht werden, auch war ein neues Fahrzeug, ein LO 3000, im Einsatz.

Betriebsfeuerwehr:

Nach der beschriebenen Umstrukturierung existierte eine VP Kommandostelle des Volkspolizeikreisamtes (VPKA) Königs Wusterhausen in Wildau. Diese war im Haus 39 untergebracht, dem heutigen Feuerwehrdepot. Da es in der DDR eine Trennung zwischen Polizei und beruflichen Feuerwehren nicht gab, war dieser Name für eine Feuerwehrinformation nicht ungewöhnlich. Diese Formation war für den Schutz des Schwermaschinenbaues verantwortlich und bestand aus hauptamtlichen Kräften. Einsatzfahrzeug war das schon bekannte Löschfahrzeug (LF 8) Typ Mercedes. Horst Raabe war nicht nur ehrenamtlich in der Wildauer Ortsfeuerwehr engagiert, sondern er war auch seit 1956 beruflich Feuerwehrmann in Königs Wusterhausen, ab 1956 dann in der Betriebsfeuerwehr des SHR. In den Fünfziger Jahren trennten sich die VP-Feuerwehrleute von der Mercedes LF8 und beschafften ein Tanklöschfahrzeug (TLF) Typ H3 A. Dieses Feuerwehrfahrzeug war mindestens 15 Jahre im Dienst, und blieb es auch nach Auflösung der VP- Kommandostelle. Diese Auflösung muss vor 1956 stattgefunden haben. Alle hauptberuflichen Kräfte wurden Betriebsangehörige des SHR. Es gab von nun an offiziell wieder eine Betriebsfeuerwehr des SHR. Somit gab es auch bald wieder freiwillige Kräfte die sich aus den Arbeitern des SHR rekrutierten. Wehrleiter dieser Freiwilligen war H. Kohl. 1971 wurde ein nagelneues Tanklöschfahrzeug (TLF 16-50) auf W50 Basis in Dienst gestellt. Das Einsatzkommando in diesen Jahren lag durch die hohe Produktion des Schwermaschinenbaues bei täglich 2 Alarmen. Der W 50 blieb bis zur Wende im Dienst. Nach der Wende wurde die Betriebsfeuerwehr aufgelöst und ihr Materialbestand mit dem der Freiwilligen Feuerwehr zusammengeführt.